09.08.2016 - 10:00

General-Anzeiger Bonn - Serie "Sportverletzungen" - Interview vom 4. August 2016

Wie kommt es zu Schultereckgelenksprengungen?
Die Schultereckgelenksprengung ist eine häufige Verletzung des Schultergürtels. Dabei werden die Bänder gedehnt, eingerissen oder zerrissen, die das Schultereckgelenk stabilisieren. Sie tritt oft bei Eishockeyspielern, Ringern und Handballern auf. Bei Eishockeyspielern ist die Schultereckgelenksprengung laut Dr. Altmann mit zwölf Prozent die zweithäufigste Verletzung. Die Unfallursache ist meistens der direkte Sturz auf den Schultergürtel, häufig auf den ausgestreckten Arm oder auf das Schultereckgelenk. Es kann zu unterschiedlichen Schweregraden der Verletzung kommen. Je nach Schwere sind Bänder und Kapsel teileingerissen oder komplett abgerissen. Die schwerste Verletzung zeichnet sich durch den zusätzlichen Abriss einer Faszie, also einem Teil des Bindegewebes, die das Schlüsselbein fixiert, aus. Man unterscheidet die Verletzungsstadien unter anderem nach Rockwood, einer Skalierung von eins bis sechs.

Wie wird die Verletzung diagnostiziert?
Beim Patienten liegt oft ein starker lokaler Schmerz vor. Beim Liegen auf der verletzten Schulter verstärkt sich der Schmerz, ähnlich wie bei Überkopfbewegungen oder beim Armheben gegen einen Widerstand. Bei Verletzungen von Typ 3 nach Rockwood und höher ist ein sogenanntes Klaviertastenphänomen zu beobachten. Bei Verletzung und komplettem Riss der Bänder steigt das seitliche Schlüsselbein hoch und lässt sich mit den Fingern wieder zurückdrängen. Nach dem Loslassen steigt es ähnlich wie eine Klaviertaste. Bei der zusätzlichen Verletzung der Faszie kommt es zu einer Instabilität. In den Stadien 1 und 2 kann bei einer frischen Schultereckgelenkverletzung auch eine konservative Therapie erfolgreich durchgeführt werden. Ab der Verletzung Grad 3 mit deutlichem Schlüsselbein-hochstand, insbesondere bei Sportlern und Überkopfarbeitern, muss laut Experten operiert werden.

Wie wird operiert?
Eine Methode ist die Dogbone-Technik oder Tightrope-Technik, die minimal invasiv erfolgt. Mit einem kleinen Schnitt oberhalb des Schlüsselbeines wird dabei ein Loch durch den Knochen und in den sogenannten Rahmenschnabelfortsatz gebohrt. Ein Band wird durch beide Löcher gespannt, die anschließend mit Titan-Plättchen stabilisiert werden. Durch eine Flaschenzugkonstruktion wird das Schlüsselbein in die anatomische Position gebracht und anschließend fixiert. Laut Altmann sei durch dieses Verfahren eine zweite Operation mit Entfernung von Metallplatten oder Drähten nicht erforderlich. Daher hält der Experte die moderne Dogbone-Technik insbesondere hinsichtlich der Komplikationsrate, der Quote der Fehlschläge und der Wiederholungseingriffe für besser geeignet als das Standardvorgehen.

Wie sind die Heilungschancen?
Die Heilungschancen sind bei der operativen Methode mit weit über 90 Prozent sehr gut.

Gibt es Risiken?
Wie bei jeder Operation können auch hier lokale Blutergüsse, schlecht heilende Narben und Infektionen auftreten. Das Risiko einer Infektion sei laut Dr. Altmann bei der von ihm angewandten Methode aufgrund der endoskopischen Operationstechnik deutlich gemindert.

Wie schnell erfolgt die Rückkehr in den Sport?
Die Rückkehr ist abhängig von der späteren sportspezifischen Belastung. Joggen, aber auch Brustschwimmen sind laut dem Experten erlaubt. Fahrradfahren dagegen erst nach Abheilung der Bandrekonstruktion. Dieser Vorgang dauert in der Regel sechs bis acht Wochen. Dr. Altmann empfiehlt, erst nach der achten Woche wieder in die volle Belastung zu gehen. In den ersten acht bis zehn Tagen nach der Operation sollten überhaupt keine sportlich aktiven Belastungen erfolgen. Dann kann man die Sportart spezifisch vorbereiten, ohne das Schultereckgelenk (Acromioclavicular-gelenk) besonders zu belasten. Nach Abschluss der Wundheilung kann die Belastung zum Beispiel durch Joggen oder ähnliches Konditionstraining wieder aufgenommen werden. Nach drei Wochen ist das leichte Training mit einem Ball wieder möglich. Die acromioclaviculären Strukturen sollten dabei nicht belastet werden. Vorsichtig sollte man sich allerdings dem Krafttraining und sportart-spezifischen Inhalten, wie beim Hockey zum Beispiel der argentinischen Rückhand oder der Hereingabe von Ecken, nähern.