11.04.2016 - 08:00

Ein über seine Erkrankung gut informierter Patient erleichtert dem Arzt das Gespräch und wird sich eher an Therapievorgaben halten, wie Dr. Achim Viktor, Verbundkrankenhaus LINZ-REMAGEN / Franziskus Krankenhaus Linz am Rhein, erläutert.

Interview in der Deutschen Ärzte Zeitung

 

Man hört immer wieder, dass die Patienten im Zeitalter des Internets nicht nur informierter, sondern oft auch fehlinformiert in die Praxis kommen. Wie ist hier Ihre Erfahrung als Kardiologe?

Viktor: Es ist nicht verwunderlich, dass unsere Patienten aufgrund der flächendeckenden und zeitlich unbegrenzten Verfügbarkeit des Internets immer häufiger bei „Dr. Google“ medizinischen Rat suchen. Ja – ich wundere mich häufig, mit welchem Detailwissen Patienten über Ihre Erkrankungen sprechen. Meine Erfahrung zeigt, dass besonders die chronisch kranken und weniger die akut kranken Menschen im Internet Rat suchen.
Dabei suchen die Patienten neben grundlegenden Informationen zur vorliegenden Erkrankung und Pharmakotherapie auch Erfahrungsberichte von ebenfalls betroffenen Patienten. Natürlich freue ich mich als Arzt über informierte Patienten. Das Vorwissen legt die Basis für eine Kommunikation auf Augenhöhe. Auf der anderen Seite fordert mich ein fehlinformierter Patient inhaltlich und zeitlich, um aufgebaute Barrieren abzubauen.

Wie beeinflussen solche Informationen aus dem Internet die Adhärenz?

Gerade Patientenforen bergen die Gefahr einer Fehlinformation und Verunsicherung. Es gibt nicht wenige Patienten, die auf dieser Grundlage die eigene Therapie „modifizieren“. So werden z. B. Einnahmezeiten und Dosierungen selbstständig angepasst. Auch passiert es nicht selten, dass Medikamente wie Betablocker und Cholesterinsenker tagesvariabel nach eigens getroffenen Kriterien eingenommen werden.

Sie hatten die Möglichkeit, im Rahmen der Evaluationsstudie ThESIS II das von Ärzten mit entwickelte Onlineportal TheraKey® zu testen. Wie kann Ihrer Ansicht nach ein solches Portal den Arzt und den Patienten bei der Therapie unterstützen?

Zunächst möchte ich festhalten, dass die Non-Compliance als die „teuerste Erkrankung“ aufgefasst werden kann. Eine Patienten-Informationsplattform wie TheraKey® hat aufgrund ihrer compliancefördernden Strategie das Potenzial für eine fokussierte, nutzenorientierte, effiziente Mittelverwendung und könnte dadurch zu einer Dämpfung der Progression der Gesundheitskosten beitragen.
Dieses Onlineportal kann dazu beitragen, durch die patienten-zentrierte Informationsaufarbeitung die Wissensasymmetrie zwischen Patient und Arzt zu verringern. Es schafft damit bei den Patienten und Angehörigen eine Basis für Krankenverständnis und Krankeneinsicht sowie insbesondere für eine nachhaltige Therapietreue. Patienten erkennen sehr anschaulich den Wert des präventiven, proaktiven Lebensstils und erhalten Anregungen und Hilfestellung für die aktive Umsetzung.

Wie muss Ihrer Ansicht nach die Ansprache an die Patienten sein, damit tatsächlich ein therapiefördernder Effekt einsetzt?

Eine nachhaltige Aktivierung der Patienten und die Informationsvermittlung sollten so gewählt werden, dass diese den Patienten in möglichst geringem Umfang über- oder unterfordern. Das Ziel für das Kommunikationsmanagement lautet: qualitativ hochwertige, verständliche und nachhaltige Gesundheitsinformationen zu vermitteln .Besonders die Motivation der Patienten zu steigern ist eine große Herausforderung im Tagesgeschäft – nimmt doch gerade diese Kommunikation viel Zeit in Anspruch.
Im Idealfall liegt der Fokus am Anfang des Patientengesprächs auf einer problemorientierten Informationsvermittlung durch den Arzt. Diese weicht dann im Verlauf der interessenorientierten Informationsbeschaffung des Patienten, zumindest in großen Teilen.

Welche Bedeutung hat die persönliche Empfehlung einer Informationsquelle durch den Arzt? Im Fall von TheraKey® übergibt er exklusiv die Zugangsdaten zum Portal.

Der Arzt sollte die wichtigste – wenn auch nicht die einzige – Informationsquelle bleiben,weil er die Verantwortung für die Therapieplanung trägt. Ich sehe mich in meiner Rolle als Arzt aber auch als Berater und Lotse im Therapietreue-Management. Durch die persönliche Übergabe der Zugangsdaten symbolisiere ich zum einen, dass ich hinter der Dienstleistung und der Qualität der Plattform stehe, und zum anderen, dass ich mich als aktiven Partner und Unterstützer des Patienten-adaptierten Therapietreue-Managements sehe.

Viele Ärzte stehen dem Internet und Patientenportalen nach wie vor skeptisch gegenüber. Wie ist Ihre Erfahrung: Sind informierte Patienten Fluch oder Segen für Praxen?

Hier müssen wir klar abgrenzen, dass Internet und Onlineportale nicht partout über einen Kamm geschert werden können. Das Medium Internet lässt sich für hervorragende Angebote nutzen, bestes Beispiel TheraKey®. Ein aufgeklärter und therapietreuer Patient zeigt eine höhere Arztzufriedenheit – und natürlich reduziert eine externe Wissensvermittlung den Zeitdruck in der ambulanten fach- und hausärztlichen Versorgung.